Von Bastionen zu Bunkern

Kulturerbe Festungsmonumente

Zu allen Zeiten eroberten und unterwarfen Herrscher fremde Gebiete. Die Besatzer und auch die Bedrohten schufen sich Verteidigungsanlagen, die sie angesichts ständig verbesserter Waffentechnik immer mächtiger und immer raffinierter ausbauten.

„Architectura Militaris“ – bezeichnet diese besondere Befestigungsbaukunst, die ein außergewöhnliches Kulturerbe aus mehreren Jahrtausenden europäischer Geschichte hinterlassen hat.

Von Bastionen zu Bunkern

FORTE CULTURA erzählt die Geschichte des europäischen Festungserbes vom späten 15. bis zum 20. Jahrhundert.

Die „Schießpulverrevolution“

Das Schießpulver kam im 13. Jahrhundert aus China nach Europa und erste Handfeuerwaffen und Geschütze entstanden im 14. Jahrhundert. Ein erster Einsatz von „Riesengeschützen“ ist im Fall von Konstantinopel belegt, welche 1453 die bis dahin als uneinnehmbar geltenden theodosianischen Mauern zertrümmerten. Spätestens als Karl VIII. von Frankreich 1494 mit einer hochmobilen, von Pferden gezogenen Artillerie in Italien einmarschierte, war klar, der Festungsbau musste sich radikal verändern, um dagegen bestehen zu können.

Mittelalterliche Mauern und Türme mussten neuen Verteidigungsformen weichen: niedrige Profile, Platz für Kanonenstellungen, dicke Erdwälle hinter Schichten aus Backstein, hervorstehende Bastionen, geometrische Grundrisse zur Vermeidung von toten Winkeln, breite und tiefe Gräben und vieles mehr. So entstanden komplexe bastionäre Befestigungsgürtel um Burgen, Sakralbauten und Städte. Ganze militärische Festungsstädte wurden konzipiert und an strategisch wichtigen Orten errichtet.

In den folgenden Jahrhunderten entwickelte sich die Militärarchitektur weiter. Festungen wurden zunehmend wissenschaftlich geprägt, beeinflusst von Geometrie, Ballistik, Topografie, Ingenieursschulen und Militärakademien.

Brisanzgranaten und Stahlbeton

Im Industriezeitalter entstanden mit dem neuen Sprengstoff Melinit Brisanzgranaten mit Aufschlagzünder, welche eine solch verheerende Wirkung auf Bastionsfestungen hatten, dass sie ab sofort als veraltet galten.

Wieder musste der Festungsbau sich neu erfinden. Befestigungsanlagen wurden dezentralisiert, mit Stahlbeton verstärkt und zunehmend unterirdisch angelegt. Die Festungen des 20. Jahrhunderts waren Bunker, Bunkersysteme und langgestreckte Verteidigungslinien des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Nach dem Einsatz der Atombombe 1945 und dem beginnenden Kalten Krieg entstanden zunehmend hochtechnisierte Regierungsbunker überall in Europa.